Abbott hat im Google Play Store eine neue App veröffentlicht: „Libre von Abbott – DE“. Ich habe sie mir gleich installiert und dabei auch die offizielle Store-Beschreibung genauer angeschaut, um herauszufinden, was sich gegenüber der bisherigen FreeStyle LibreLink App tatsächlich verändert hat.
Eine App für alle Sensoren – das ist der eigentliche Clou
Der auffälligste Punkt steht direkt in der Store-Beschreibung: Die neue Libre App soll künftig mit jedem beliebigen Sensor des FreeStyle Libre Systems funktionieren, mit einer Ausnahme – der ursprüngliche FreeStyle Libre Sensor (also der ganz erste, ohne die „2″ oder „3″) wird nicht unterstützt. Bisher musste ich je nach Sensorgeneration zwischen unterschiedlichen Apps wählen: FreeStyle LibreLink für Libre und Libre 2, eine eigene App für Libre 3. Diese Trennung soll mit der neuen App wegfallen. Abbott kündigt in der Beschreibung sogar an, dass die neue App die bisherigen Apps mittelfristig ersetzen wird, und rät dazu, den nächsten Sensor direkt über die neue App zu starten.
Das erklärt auch, warum sich mein laufender Sensor beim Test nicht übernehmen ließ: Die App ist offenbar bewusst darauf ausgelegt, den nächsten neuen Sensor zu begleiten, nicht einen bestehenden zu übernehmen. Wer mitten im Sensorzyklus steckt, sollte also nicht überrascht sein, wenn die App zur Aktivierung eines neuen Sensors auffordert.
Funktionen laut Store-Beschreibung
Abbott listet in der App-Beschreibung einige Kernfunktionen auf, die mir allerdings größtenteils schon aus der bisherigen App bekannt vorkommen: automatische Aktualisierung der Messwerte jede Minute, ein interaktiver Graph mit Einblicken zu Trends und Mustern, Echtzeit-Alarme mit stufenweise ansteigender Lautstärke sowie die Möglichkeit, Alarme für eine bestimmte Zeit stummzuschalten. Auch das Teilen von Werten über LibreView und LibreLinkUp mit Ärzt:in oder Angehörigen bleibt erhalten.
Interessant fand ich eine Nutzerin-Rezension im Store, die einen „interaktiven Graphen“ hervorhebt, der offenbar helfen soll, Ernährung, Bewegung und Glukosewerte besser miteinander in Verbindung zu bringen. Ob das ein rein optisches Update ist oder eine tatsächlich neue Auswertungsfunktion, kann ich aus der Store-Beschreibung allein nicht zweifelsfrei sagen – das muss ich mir noch genauer anschauen.
Wie viele andere auch hat Abbott jetzt eine KI Analysefunktion für Nahrungsmittel eingebaut. Wie gut oder schlecht diese funktioniert kann ich noch nicht sagen. Bisher gibt die Funktion bei mir nur allgemeine Aussagen wie z.B. „geringer Einfluss auf den Blutzucker“ oder „großer Einfluss auf den Blutzucker“ zum besten. Wie konkret das dann noch wird werden die weiteren Tests zeigen müssen. Ich werde berichten.
Im Abschnitt „Neuerungen“ der Store-Seite hält sich Abbott recht allgemein und spricht von Funktionserweiterungen, Verbesserungen der Benutzeroberfläche und Leistung sowie Fehlerbehebungen. Eine detaillierte Änderungsliste, wie man sie von manchen anderen Apps kennt, gibt es bislang nicht.
Installation und erster Eindruck im Test
Die Installation über den Play Store verlief bei mir völlig unproblematisch, und ich konnte die neue App parallel zur bisherigen FreeStyle LibreLink App auf meinem Gerät betreiben, ohne dass es zu Konflikten kam. Das war für mich ideal, um vorsichtig zu testen: Ich konnte die neue App ausprobieren, ohne auf meine gewohnte Anzeige verzichten zu müssen.
Wie oben beschrieben, ließ sich mein aktuell laufender Sensor nicht in die neue App übernehmen – die App verlangte stattdessen die Aktivierung eines neuen Sensors. Dies haben zwischenzeitlich auch mehrere Mitglieder der Community bestätigt. Bis zu meinem nächsten fälligen Sensorwechsel bleibt daher die bisherige App meine zuverlässige Quelle für die Glukosewerte, während ich die neue App parallel für Testzwecke installiert lasse.
Offene Frage: Kompatibilität mit Drittanbieter-Apps
Mich interessiert vor allem, wie sich die neue App im Zusammenspiel mit Tools wie GlucoDataHandler (GDH), xDrip+ oder anderen Drittanbieter-Lösungen verhält, die ich – wie viele von euch – parallel zur offiziellen App nutze. Dazu habe ich bislang noch keine eigenen Erfahrungswerte, und auch aus der Community habe ich noch nichts Gesichertes gehört. Gerade vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion um die Datenhoheit bei CGM-Daten – siehe dazu meine Petition zu den API-Änderungen von Abbott – behalte ich diesen Punkt aufmerksam im Blick.
Interessant fand ich in diesem Zusammenhang auch den Datensicherheits-Hinweis im Play Store: Laut Abbotts eigenen Angaben werden keine Daten mit Drittunternehmen geteilt, die App erhebt aber unter anderem Standort- und personenbezogene Daten, verschlüsselt diese bei der Übertragung und erlaubt auf Anfrage die Löschung. Wie sich das konkret auf Schnittstellen zu Drittanbieter-Apps auswirkt, kann ich noch nicht beurteilen.
Meine Einschätzung
Dass Abbott künftig auf eine einzige App für alle aktuellen Sensorgenerationen setzen will, finde ich grundsätzlich eine sinnvolle Vereinfachung – die Aufteilung auf mehrere Apps je nach Sensor fand ich selbst immer etwas verwirrend. Bis zur vollständigen Ablösung der bisherigen Apps wird aber noch etwas Zeit vergehen, und gerade beim Thema Drittanbieter-Kompatibilität habe ich noch viele offene Fragen. Wer nicht unbedingt experimentieren möchte, kann meiner Meinung nach getrost abwarten, bis mehr Erfahrungsberichte aus der Community vorliegen. Ich für meinen Teil beobachte die neue App erstmal weiter parallel.
Fazit
Die neue Libre App von Abbott soll künftig alle Sensoren des FreeStyle Libre Systems in einer einzigen App vereinen und die bisherigen getrennten Apps ablösen. Ein laufender Sensor ließ sich bei mir aktuell nicht übernehmen, die App ist auf den nächsten neuen Sensor ausgelegt. Die grundlegenden Funktionen entsprechen weitgehend der bisherigen App, kleinere Verbesserungen an Oberfläche und Auswertung sind laut Store-Beschreibung enthalten. Offen bleibt für mich vor allem, wie gut sich die neue App mit Drittanbieter-Apps wie GDH oder xDrip+ verträgt – hier bin ich auf eure Erfahrungen gespannt.
Habt ihr die neue App schon getestet, auch in Kombination mit GDH oder anderen Drittanbieter-Apps? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare.
Ergänzung vom 24.09.2026: Das steht im Kleingedruckten von Abbotts Mail
Nach der Veröffentlichung dieses Artikels hat mich eine Mail von Abbott zur neuen Libre App erreicht. Die Fußnoten enthalten wichtige Hinweise, die ich hier in einfachen Worten zusammenfasse.
1. Nicht jedes Handy passt. Die Libre App läuft nur mit bestimmten Mobilgeräten und Betriebssystemen. Das gilt auch für die Libre-3-App und die Smartwatch-Version. Prüfe vor dem Umstieg auf www.FreeStyleLibre.de, ob dein Gerät unterstützt wird.
2. Alarme funktionieren nur unter Bedingungen.
- Die Alarme müssen eingeschaltet sein.
- Zwischen Sensor und Empfangsgerät dürfen höchstens 10 Meter ohne Hindernisse liegen, zum Beispiel ohne Wand.
- Ein neuer Sensor ist 60 Minuten nach der Aktivierung messbereit.
Das war immer schon so und hat sich nicht geändert-
3. Die Smartwatch-App: nicht für alle Nutzer.
Die Smartwatch-Version ist nur mit bestimmten Smartphones und Betriebssystemen kompatibel. Sie erfordert eine Registrierung bei LibreView. Abbott schreibt ausdrücklich, dass man mit ihr keine Behandlungsentscheidungen treffen soll. Es gelten die Anweisungen der App auf dem Smartphone.
Auf Abbotts US-Support-Seiten steht dazu Genaueres: Die erste Version der Watch-App ist für iOS-Uhren gedacht und unterstützt keine Android-Uhren. Auch heißt es dort, sie sei derzeit nur für die Apple Watch verfügbar. Voraussetzung ist laut Abbott eine Apple Watch ab Serie 4 mit watchOS 10 oder höher, die mit einem iPhone gekoppelt ist. Ob diese Angaben für Deutschland in gleicher Form gelten, konnte ich bisher nicht bestätigen da ich ein Android Nutzer bin. Quelle: Is the Libre watch app available for both Apple and Android smartwatches? – FAQ +2
Meine Meinung dazu: Das reicht nicht. Auch Android-Nutzer müssen ihre Werte auf einer WearOS-Smartwatch sehen können. Eine App, die alle Sensoren vereinen will, sollte nicht einen großen Teil der Anwender außen vor lassen. Ein kurzer Blick aufs Handgelenk ist für viele im Alltag ein echter Sicherheitsgewinn, etwa beim Sport, im Job oder nachts. Ein nahezu perfektes Beispiel dass es technisch möglich ist zeigen ja heute bereits verschiedenste Drittanbieter Apps. Dazu hatte ich ja bereits einen Beitrag veröffentlicht: https://staging.glucosecode.de/libre-3-wear-os-blutzuckerwerte-direkt-am-handgelenk-mit-glucodatahandler-dmm-watchfaces/
4. Alarme auf der Smartwatch. Wer Alarme auf der Uhr will, braucht Folgendes:
- Die Alarmfunktion ist eingeschaltet.
- Das Handy ist mit der Uhr verbunden.
- Auf beiden Geräten sind Benachrichtigungen erlaubt.
Die Uhr zeigt nur an, was das Handy spiegelt. Ist das Handy nicht in Reichweite des Sensors und der Uhr, kommen weder Werte noch Alarme an.
5. Die KI-Funktion kann sich irren. Die Nahrungsmittel-Analyse („Libre Assist“) nutzt generative künstliche Intelligenz. Abbott sagt selbst, dass KI nicht immer fehlerfrei ist und nicht für Therapieentscheidungen genutzt werden soll. Die vorhergesagte Wirkung beruht auf den Lebensmitteln, die du eingibst. Die Wirklichkeit kann abweichen, etwa durch Bewegung, Stress, Medikamente oder Alkohol. Für eine persönliche Einschätzung ist dein Diabetesteam die richtige Adresse.
6. Internet und Cloud. Der Datenaustausch zwischen den Apps braucht eine Internetverbindung. LibreView ist eine Cloud-Anwendung. Die Webseite läuft nur mit bestimmten Betriebssystemen und Browsern (Infos: www.LibreView.com).
Quellen: Fußnoten der Abbott-Mail (Stand 24.09.2026), sinngemäß zusammengefasst. Zur Apple-Watch-Einschränkung: Abbott-Support-FAQ (US), z. B. Is the Libre watch app available for both Apple and Android smartwatches?
Ergänzung vom 25.09.2026: Erste Berichte von Anwendern werden publik.
Die ersten Anwender melden sich zu Wort. Im großen und ganzen sind die Anmerkungen zumindest nicht durchgehend negativ. Manche loben das neue Design, aber das ist ja lediglich der optische Eindruck. Ich habe damit, wie ja weiter oben schon erwähnt, so meine Herausforderungen damit.
Mein Wahrnehmung ist allerdings das einige Kritikpunkte doch sehr deutlich werden.
Zum einen ist da, und man muss es meiner Meinung nach so deutlich sagen, die Fehlende Smartwatch Unterstützung für Android Smartwatches. Zudem wird die auch scheinbar nicht geänderte Mimik für die Alarmeinstellungen hinsichtlich des Alarmtones geändert. Ja, man kann den Alarm jetzt für einige Zeit stumm schalten, aber das geht meines Erachtens etwas am Problem vorbei. Dann noch die weiterhin fehlende Möglichkeit ein Bildschirmwidget auf dem Smartphone Ddisplay darzustellen. Man fragt sich wirklich ob man sich bei Abbott wirklich nicht mal die ein oder andere Drittanbieter App angesehen hat die all diese Punkte (und mehr) mit Leichtigkeit umsetzen können.
Ich verstehe dass man aufgrund der Tatsache dass es sich ja um ein zertifiziertes Medizinprodukt handelt durchaus vorsichtiger vorgehen muss als das von Drittabieter Apps zu erwarten ist, aber dennoch…sich soviel Zeit für eine neue Version zu lassen und dann die grundlegendsten Wünsche der Anwenderschaft zu ignorieren finde ich zumindest nachdenkenswert.
Mal sehen ob Abbott dann irgendwann mal Updates herausbringen wird die das mit betrachten.

Herzlichen Dank
Es gibt jedoch noch ein deutlich schlimmeres Problem mit der neuen App auf iPhones. Die Lautstärke des Alarmtones kann auf iPhones nicht reguliert werden. Daher ist die Lautstärke des Alarms immer maximal laut. Das ist ein komplettes ‚no Go‘ für die neue App. In der Nacht würde wahrscheinlich die halbe Nachbarschaft wach werden. Habe heute eine Reklamation der Hotline eingereicht.
Hallo Nik,
ich habe das in den Artikel mit aufgenommen. Danke für den Hinweis.